Wie man Kampfschwimmer „macht“ …

Die dreijährige Ausbildung zum Kampfschwimmer ist neben der Ausbildung zum Piloten eine der längsten, teuersten und körperlich fordernsten Ausbildungen der Bundeswehr. Neben der körperlichen und geistigen Belastung ist der größte Herausforderer des Kampfschwimmerschülers das Element Wasser. Darin liegt der Unterschied zu allen anderen Ausbildungen, die in der Armee zu finden sind. Wasser zehrt, bewirkt Ängste und lehrt Demut!
Das in der Ausbildung gelehrte Wissen bewirkt, dass die Schüler lernen, die Eigenschaften des Wassers zu ihrem Vorteil zu nutzen und mit ständiger Kälte und Nässe umzugehen. Sie lernen die Ober- und Unterwasserströmungen, die Wetter- und Witterungszeichen, Wellen und Winddrift zu lesen und ihren Einsatz entsprechend zu planen. Kampfschwimmer leben auf, mit, im und unter Wasser. Das Wasser wird zum Verbündeten!
Ein weiterer Verbündeter ist die Nacht. Sie umgibt, schützt und verbirgt die Arbeit des Kampfschwimmers zu Wasser, zu Land oder aus der Luft! In der Ausbildung treten das Element Wasser und die Nacht vom ersten Tag an und zumeist gleichzeitig in das Leben des Kampfschwimmerschülers.
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Wasser, Dunkelheit, Kälte und Nässe sind gleichzeitig auch große Stressoren; genannt sei auch hier die Angst vor dem Ertrinken, die automatisch von der Amygdala, dem Angstzentrum, gesteuert wird. Gemeinsam beeinflussen sie Denken und Handeln. Die Erfahrung hat gezeigt, dass solche Stressoren Menschen brechen können. Dies bewirkt, dass von Außen betrachtet, Ausbildungsteile als unmenschlich anmuten. Ein Beispiel: An Armen und Beinen gefesselt in der Nachtausbildung ins Wasser geworfen zu werden. Dies findet zwar kontrolliert und unter allen Sicherheitsvorkehrungen statt. Dennoch ist der Schüler auf sich allein gestellt. Besteht er diese Prüfung, so liegt darin ein enormer Motivationsschub und schafft Selbstvertrauen.

Grundsätzlich sind Ausbildungen auf ihrem Level, sei es nun die zum Kampfschwimmer, Fallschirmspringer oder Scharfschützen, nie schlecht! Dennoch lernt man in der Ausbildung nur die Grundlagen also Fähigkeiten und Fertigkeiten, die später gezieltes Agieren/ Handeln ermöglichen. Der Unterschied liegt dann in ihrer Interpretation und in der späteren Anwendung im Training oder Einsatz. Auch hier ein Beispiel: An der LL/ LTS Altenstadt lernen die Kampfschwimmerschüler den manuellen Fallschirmsprung, der sie nach Bestehen zu diesem Verfahren offiziell befähigt. In der Einheit springen sie jedoch mit vollständiger Tauchausrüstung aus einem Luftfahrzeug, führen einen perfekten Wassersprung in die offene See durch und gehen dann in einen dreistündigen Taucheinsatz. Bei diesem bringen  sie ungesehen eine Sprengladung an ein Schiff an, um im Anschluss an den unbemerkten Rückmarsch auf offener See, durch ein UBoot aufgenommen zu werden. Eine gute Ausbildung ist also die Grundlage, um später komplexe Abläufe umzusetzen.

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In der Kampfschwimmerausbildung ist es der Wille der entscheidet: Der Wille zu lernen, die Beherztheit, die Persistenz, also die Ausdauer mit der ein Ziel verfolgt wird. Daran zeigt sich der Unterschied zum Bestehen und oder im Aufgeben. Der Schüler muss das Wissen aufsaugen wie ein Schwamm. Dann den Mut sowie das Geschick haben, es zur richtigen Zeit am richtigen Ort abzurufen und umzusetzen. Alle Kampfschwimmerschüler erhalten bei gleicher Anforderung die gleiche Ausbildung, nur einige stehen sie durch und andere – manchmal auch offensichtlich körperlich stärker – schaffen es einfach nicht. Warum das so ist!? Dazu gibt es nur Spekulationen!

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Als Ausbildungsprinzip bleibt aber hier festzuhalten, was auch für die Kampfschwimmerausbildung gilt: Vom Einfachen zum Schweren!
Täglich werden geringe Abweichungen in das Bekannte/ Geübt eingebaut, die Situationen/ Lagen erweitert. Dies erfolgt jedoch in der Kampfschwimmerausbildung schneller, mit größerer Druckkulisse und einem weiteren Stressor: Ungewissheit!
Mit dieser Ungewissheit über den weiteren Ausbildungsverlauf, der nur für die Ausbilder und die Führung sichtbar einem klaren Plan folgt, müssen die Schüler leben lernen. Stressresistenz sowie positiver Umgang mit der Ungewissheit führen zu störungstolerantem und sicherem Agieren.

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